Fassenacht 1969: Ribanna fährt lieber Auto

Postkarte ganz 1961

(Foto „Postkarte von 1961“ aus der Sammlung Meikel Dachs. Sonstige Fotos: H.D. Schütz, Mainz)

Ihre Knie wackeln immer noch. Carolin fährt gerne Riesenrad, aber wenn es stoppt und man gerade ganz oben festhängt, über dem Rhein … also das ist schon irgendwie unheimlich. Und  genau das ist passiert, als sie mit ihrem Papa gerade in der Gondel saß. Seitdem ist ihr ein bisschen schlecht.

Ungehalten ist sie auch, weil sie gerne mit der gelben Eisenbahn am Fischtorplatz gefahren wäre. Wenn das Bähnchen parallel zum Rhein entlangtuckert, kann man das Riesenrad gut betrachten und sich dabei ein bisschen gruseln …

 

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Aber ihr Vater hat offensichtlich andere Pläne. Zielstrebig läuft er Richtung Dom. Als zwei kleine Cowboys knapp vor ihr über den Weg purzeln, dabei die Pistolen schwingen und „Peng, Peng!“ schreien, schwingt sie ihren Tomahawk. Dabei wirft sie den Bleichgesichtern einen bösen Blick zu.

Mit einem Mal fällt ihr etwas ein, was sie schon die ganze Zeit fragen wollte: „Wann war ich denn das erste Mal auf dem Rosenmontagszug?“ Carolin muss fast schreien, denn am Fastnachtsonntag ist auf der Mainzer Kerb natürlich einiges los.

Ihr Papa bleibt stehen, hält ihre Hand dabei ganz fest und überlegt. „Ich glaube, das war 1961. Du warst knapp ein Jahr alt. Da standen wir das erste Mal bei Krugs auf dem Balkon in der Kaiserstraße und guckten uns den Zug an.“ Er lacht und freut sich, dass ihm das eingefallen ist.

„Also, daran kann ich mich ja nicht erinnern.“ Aber, wenn ihr Papa das so erzählt, wird es schon stimmen. Es kommt auch hin, denn seit Carolin denken kann, besuchen sie am Rosenmontag die Familie Krug, um vom Wohnzimmerfester aus den Zug zu betrachten. Das ist praktisch, denn man friert nicht und muss auch nicht die ganze Zeit glotzen. Morgen, am Rosenmontag wird sie Tante Gerda sicherheitshalber fragen, ob das stimmt, was Papa gerade erzählt hat.

Sie gehen ein Stück weiter. Die Töne von Margit Sponheimers Gell, du hast mich gelle gern gehen in Heintjes Heidschi Bumbeidschi über. Ein weiblicher Clown mit roter Nase hält sich an einem Seemann fest und kichert. Eine kleine Prinzessin in Rosa heult, weil ihr Luftballon gerade davonfliegt. Carolin rümpft die Nase. Luftballons braucht sie nicht mehr, sie wird ja schon bald neune. Obwohl – so einer, der aussieht wie Micky Mouse … Sie schlängeln sich an einer Reihe von Männern in geringelten Schlafanzügen vorbei, die schunkeln und dabei grölen: Am Rosenmontag bin ich gebo-o-ren …

Jetzt ist die leichte Übelkeit verflogen. Carolin hat Lust auf eine Bratwurst, und danach was Süßes. Mit vielen anderen überqueren sie und ihr Papa die Rheinstraße. Es wird gelacht, geschossen, gesungen … Und es duftet …

Da gibt es doch bestimmt gleich wieder einen Stand mit Bratwurst. Ganz verdutzt ist Carolin, als ihr Vater vor dem „Ponyreiten“ stehen bleibt. Was soll denn das?

„Du bist ja eine Squaw“, sagt er gut gelaunt. „Die reiten doch über die Prärie.“

„Ich bin Ribanna“, erklärt Carolin kläglich. Das ist ihr wichtig, denn Winnetous große Liebe ist ihre Lieblingsindianerin. Deshalb hat sie auch ein Kostüm ausgesucht ohne so ein besticktes Oberteil. Dann könnte man sie nämlich für Nscho-tschi halten, Winnetous Schwester und Old Shatterhands große Liebe. Das will sie aber nicht.

„Sieh nur, die Ponys werden geführt.“

„Ach!“ Mit einem Schlag wird Carolin nervös. Auch das noch. Pferde, Pony, Reiten … Das ist so gar nicht ihr Ding. Die Fastnachtstage sind eh schon so aufregend. Und gestern, am Samstag hat ihre Klasse am Jugendmaskenzug teilgenommen. Gemäß dem Motto des Zuges Määnzer Sprüch´ un Ausdrück lief sie mit ihren Klassenkameraden Helau rufend und winkend durch die Stadt, um den Hals ein Plakat mit der Aufschrift Weck, Worscht un Woi.

Vor lauter Aufregung vor dem großen Tag hatte sie in der Nacht zum Samstag kaum geschlafen. Und weil sie nach dem Umzug noch komplett unter Strom stand, war die letzte Nacht kaum besser gewesen.

„Ja“, erklärte ihre Oma am Morgen beim Fleischwurst-Frühstück: „So was bleibd nidd in die Kleidä schdegge …Do sinn die Kinnä mied…“

Ganz gegen ihre Gewohnheit bekam Carolin kaum etwas runter. Dazu der Kommentar ihrer Oma: „Ess fä de Hungä, der kimmd …“

Jetzt steht sie hier und soll eine Runde auf einem Pony reiten, das dieser alte Mann führen wird. Bei dem Gedanken macht sie sich fast in die Hose. Reiten! Nee! Sie sieht sich um und entdeckt etwas: Gegenüber können Kinder Auto fahren. Die Autos laufen lustigerweise in solchen Spuren wir die kleinen Wagen der Carrera-Rennbahn von ihrem Freund Heinz. Mit ihm spielt sie ganz oft Autorennen. Carolin nimmt immer den Jaguar, weil sie den am besten erkennt, an der Form. Sie deutet zu den Autos: „Ich will aber das da fahren.“

„Das machen wir danach.“ Fröhlich schleppt ihr Papa sie zum Schalter.

Ruckzuck ist ein Ticket gekauft. Carolin wird auf ein Pony gehievt. Das stinkt. Ein alter Mann mit Kappe nickt ihr zu und los geht es. Sie wackelt auf dem Tier hin und her, versucht, Haltung zu bewahren, traut sich nicht, die Zügel loszulassen, um sich an der Stirn zu kratzen. Die Perücke sieht zwar toll aus, juckt aber unerträglich.

Am Rosenmontag bin ich geboren … schallt es – und ein paar Pony-Schritte weiter: Mathilda, Mathilda 

Als sie endlich von dem Pony heruntergehoben wird, ist sie den Tränen nahe. Erschrocken sieht ihr Vater sie an. „Hat dir das keinen Spaß gemacht?“

„Nicht so richtig.“ Sie schnieft und wirft ihm diesen ganz besonderen Blick zu. Aus Erfahrung weiß sie,  dass es geschickt ist, so zu gucken. Bei ihrer Mama wirkt es nicht so gut, bei ihrem Papa sehr wohl.

vlcsnap-2016-06-03-17h38m11s510Ratzfatz kriegt Carolin ihre Bratwurst und eine Bluna. Danach gibt es noch eine Tüte Süßigkeiten.  In einem blauen Mercedes Cabrio fährt sie schließlich in dieser Spur so wie die Autos auf der Rennbahn von Heinz. Drafi Deutscher schmettert: Marmor, Stein und Eisen bricht … Lässig legt sie sich in die Kurve.

 

 

Geschichten und Erinnerungen von Paula Dreyser

Calling USA von Paula Dreyser

 

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Die Magie der Christuskirche und die Faszination der Pinte

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(Foto: Liborio Lee Palermo II, 1976. Bearbeitet von Meikel Dachs)

Samstag, November 1979

„Leute, eigentlich will ich da jetzt gar nicht rein“, erklärte Steffi und drehte sich zu ihren Begleitern um.

Zusammen mit ihren Schulkameraden Peter und Martin stand sie vor dem Eingang zum Coupe 70.

„Frauen!“, stöhnte Martin.

„Hatten wir das nicht gerade am Bahnhof besprochen? Erst Coupe 70, dann in der Pinte vorbei schauen und danach – mal sehen …“ Peter zog die Augenbrauen hoch.

„Ja!“ Steffi betrachtete sich intensiv ihre Fingernägel. „Pinte find ich jetzt aber doch besser.“

„Na gut.“ Martin zuckte die Achseln. „Da wären wir ja sowieso als Nächstes hin.“

„Ja, was soll´s?“ Peter machte auf dem Absatz kehrt.

Sie überquerten die Fußgängerampel an der Kaiserstraße und liefen Richtung Neubrunnenstraße.

„Nicht, dass Frauen oft ihre Meinung ändern würden …“ Martin konnte es nicht lassen.

Steffi ignorierte ihn. Immerhin hatte sie ihren Willen durchgesetzt.

Die Kaiserstraße war durch eine bepflanzte Anlage in zwei Fahrbahnen unterteilt. Zu ihrer Linken erstreckte sich die von Bäumen umgrenzte Grünfläche bis zur Christuskirche. Die Dämmerung setzte gerade ein, an diesem recht milden Novemberabend. Eine Weile blieben sie stehen und betrachteten die Kirche.

„Irgendwie hat der Anblick was Magisches …“, seufzte Peter.

„Sieht toll aus“, bestätigte Martin knapp und zündete sich eine Zigarette an.

„Nicht der Dom, aber sehr schön“, fügte Steffi hinzu.

„Am schönsten sind die Schulgottesdienste am Anfang vom Schuljahr“, feixte Peter.

Sie lachten.

„Gegengewicht zum Dom, sollte sie sein. Also ich weiß nicht“, überlegte Steffi.

„Wie kommst du jetzt auf so was?“ Verwundert blickte Martin zu ihr.

„Wie sprechen gerade in Geschichte darüber.“

Sie schwiegen. Die Kuppel der Kirche wirkte wie ein Tempel. Das hatte was! Einige Passanten verlangsamten ihren Schritt, andere blieben ebenfalls einen Moment stehen.

„Irgendwie gibt es so ein paar Dinge in der Heimatstadt, die einem ans Herz gewachsen sind.“

„Heimatstadt! Mensch, Peter! Du hörst dich an wie mein Opa.“ Martin grinste.

„Ja, aber er hat doch recht.“ Lydia nickte Peter zu.

 

Fünf Minuten später betraten sie die Pinte. Hier herrschte eine andere Art von Magie, die eine andere Art von „Heimatgefühl“ auslöste.

Junge Leute unterhielten sich lärmend an voll besetzen Tischen. Die Bar neben dem Eingang war ebenfalls dicht bevölkert. An der Decke blitzten leere Flaschen, Rauchspiralen hingen wie bizarre Quallen in der Luft, der Zigarettenqualm schmerzte in den Augen.

„Gude!“ „Ihr hier und nicht in Hollywood – grosaadisch!“ „Hallo?“ „Alles klar?“ Das war Heimat pur!

Weiter hinten fanden sie – oh Wunder – einen freien Tisch. „Zwei Cola, ein Pils“, rief Martin gut gelaunt der Bedienung zu.

Peter Maffay seufzte So bist du.

„Was habt ihr eigentlich nach der Schule vor?“, rief Steffi über den Tisch hinweg. Der Geräuschpegel war ziemlich hoch.

„Jura studieren.“ Martin zog die Nase kraus. „Mal sehen, ob es das ist, was ich wirklich will. Isch waas es nidd.“ Seine Zigarette klebte in einem Mundwinkel. Wegen des aufsteigenden Rauches musste er ein Auge zukneifen.

„Germanistik ist für mich auf jeden Fall das Richtige.“

Peters tiefe, volle Stimme brachte Steffi immer noch zum Schmelzen. In der elften Klasse war sie in ihn verknallt gewesen, aber jetzt nicht mehr. „Wir sehen erst mal zu, dass wir unser Abitur hinkriegen“, warf sie ein.

„Ja, Mann.“ Martin stöhnte. „Im April geht es los. Aber danach …“ Er setzte sich gerade hin, legte eine Hand an die Stirn, als wollte er salutieren. “… Dann heißt es: Schlossgymnasium auf Nimmerwiedersehen!“

„Perversiko – uff Ex!“ Am Nachbartisch, den Steffi mühelos anfassen konnte, wenn sie sich etwas vorbeugte und dabei den Arm ausstreckte, warfen drei junge Männer die Köpfe nach hinten und kippten sich Persiko in den Hals.

Peter schüttelte sich. „Koppweh …“

„Männä …“ Der Redner vom Nachbartisch, so um die zwanzig mit aschblonden kinnlangen Locken, wischte sich mit dem Ärmel über den Mund.

Steffi erinnerte sich daran, dass er gerade sein Moped vor der Pinte geparkt hatte, als sie gekommen waren. Er gefiel ihr.

„Jetzd bestelle mä Cola-Bieä“, fügte der Blonde hinzu.

Zustimmendes Gemurmel.

„Rischdisch“, erklärte sein Gegenüber, ein drahtiger Dunkelhaariger mit Palästinenser-Tuch um den Hals. „Sunsd see mä die Zahle dobbeld.“

„Des wäer nidd so gud“, pflichtete der dritte im Bunde, ein kleiner Zierlicher in schwerer Lederjacke, bei, während er die Würfel mit einer Hand zusammenschob und in den Becher fallen ließ.

„Würfel-Pasch!“, stellte Martin fest. „Wir könnten auch ein paar Runden spielen.“ Grinsend sah er von Peter zu Steffi.

„Och nee!“ Steffi wehrte ab. Sie hasste es, wenn die Jungs ständig Würfel-Pasch spielten, ein verbreiteter und beliebter Zeitvertreib in der Pinte.

Peter zog die Brauen nach oben, setzte an, um einen Kommentar abzugeben, kam aber nicht dazu.

Weiter vorne in der Nähe der Theke grölte jemand: „Mann, kann mal einer Peter Maffay abdrehen“.

Sofort wurden zustimmende Rufe laut. Kurz danach klangen die ersten Töne von Smoke On The Water durch den Raum, begleitet von beifälligen Kommentaren und vereinzeltem Klatschen. Das Publikum stand eindeutig nicht auf deutschsprachige Musik.

Als wieder etwas Ruhe eingekehrt war, wendete sich Peter an Steffi. „Was machst du nach der Schule?“

„Eine Lehre zur Buchhändlerin.“ Sie griff nach ihren Zigaretten, was ihr einen missbilligenden Blick von Peter einbrachte.

„Wo?“, fragte Peter nach.

„Buchhandlung Krichtel.“

„Sind Buchhändlerinnen nicht so ein bisschen wie graue Mäuse?“ Martin grinste.

Bevor Steffi sich darüber aufregen und ihre Berufspläne verteidigen konnte, schwoll die Geräuschkulisse an. Einige sangen den Refrain des Liedes lauthals mit. Smoke On The Water … Fire In The Sky.

„Ob ´ne Buchhändlerin eine graue Maus ist, hängt ja wohl von der Frau ab“, kam Peter ihr zu Hilfe, als die Sänger verstummt waren. „Dafür sehe ich bei Steffi keinerlei Anzeichen.“

Dafür schenkte sie ihm ihr schönstes Lächeln.

„Jaja, ist klar“, stimmte Martin rasch zu.

„Was würde dich denn interessieren, wenn du dir mit Jura nicht sicher bist?“ Herausfordernd wandte sich Steffi an ihn.

„Politik, die Grünen. Oder ich eröffne einen Buch- und Schallplattenladen. Hätte ich auch Lust zu.“

Grammy in der Augustinergasse ist super.“ Peter wedelte mit der Hand vor seinem Gesicht, um den Rauch zu vertreiben. Für Nichtraucher war der Aufenthalt in der Pinte eine echte Herausforderung.

„Stimmt!“ Martin deutete mit dem Zeigefinger in Peters Richtung.

Wieder wurde es in der Pinte lauter, weil mehrere Leute in den Refrain von Who Are You einstimmten.

Der blonde Mopedbesitzer vom Nebentisch erhob sich, machte sich auf in Richtung Theke, nicht ohne Steffi zuzuzwinkern.

„Du weißt ja Beschied, Karl. Wer hinter die Theke läuft, muss den Jungs und Mädels hinter dem Tresen ´ne Runde Appelkorn ausgeben“, rief der mit dem Paläsinenser-Tuch ihm hinterher.

Nach der kurzen Ablenkung wandte sich Martin wieder seinen Freunden zu. „Wo gehen wir eigentlich später hin? Die Pinte ist ja zum Aufwärmen!“

La Bastille“, erklärte Steffi kategorisch.

„Magisches Dreieck: Goldstein – Orfeo – Terminus!“ Peter nickte bekräftigend.

„Mensch Leute …“ Der Mopedfahrer, erstaunlicherweise bereits zurück von der Theke, blieb kurz stehen, hob den Zeigefinger und grinste. „Vodoo ist angesagt.“

Sie sahen sich an: Ja, warum nicht?

 

Romane von Paula Dreyser aus dem deutsch-amerikanischen Milieum im Mainz der 70er- und 80er-Jahre

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Schwerverletzter in der Neustadt – Zeugen gesucht

Mainz (ots) – Mainz, Wiesenweg, 23.05.2016, 03:09 Uhr bis 03:30 Uhr

Insgesamt fünf pakistanische Staatangehörige verbrachten zusammen Zeit in einer Wohnung im Wiesenweg, Mainzer Neustadt, nahe der Bahnlinie. Einer der Männer, ein 26-Jähriger, erhielt gegen 03:05 Uhr von einer bislang unbekannten Person einen Anruf auf seinem Handy. Nach kurzem Gespräch auf pakistanisch verließ er die Wohnung, um vor dem Haus zu telefonieren. Nach wenigen Minuten hören die Bekannten durch das gekippte Fenster ein Röcheln und fanden den 26-Jährigen auf dem Bauch liegend. Er war bewusstlos und blutete stark im Gesicht. Bei der medizinischen Versorgung vor Ort durch einen Notarzt und der später erfolgten Untersuchung im Krankenhaus wurden mehrere Knochenbrüche am Kopf festgestellt. Aufgrund der Gesamtumstände schließt die Polizei einen Sturz als Ursache aus und muss davon ausgehen, dass diese Verletzungen durch Gewalteinwirkung entstanden sind.

Die Polizei sucht dringend Zeugen, die die Tat gesehen haben oder denen in der Nacht rund um die Tatzeit Personen in diesem Bereich aufgefallen sind.

Hinweise bitte an die Polizeiinspektion 2 in der Neustadt: 06131 – 65 4210

Rückfragen bitte an:

Polizeipräsidium Mainz
Pressestelle

Telefon: 06131-65-3080
E-Mail: ppmainz.presse@polizei.rlp.de

falsche Wohnbau Mitarbeiter unterwegs

Mainz (ots) – 20.05.2016

Bereits am Dienstag rüttelten zwei Männer an der Wohnungstür einer Dame in der Weisenauer Bleichstraße. Als sie die Tür öffnete, standen dort zwei Männer, die in schlechtem Deutsch abgaben, für die Mainzer „Wohnbau“ zu arbeiten. Beide Männer hätten keine Arbeitskleidung getragen. Da die Beiden mach Ansicht der Wohnungsmieterin nicht wie Mitarbeiter der Wohnbau wirkten, fragte die Frau später dort nach. Hier erfuhr sie, dass keine Mitarbeiter in dieses Haus entsandt worden waren. Die beiden Männer werden wie folgt beschrieben: 1. Etwa 30-35 Jahre alt, etwa 1,80 Meter groß und schlank, Südländer, bekleidet mit Jeanshose und Jeansjacke 2. Gleiches Alter, etwa 1,65 Meter groß und schlank, Südländer, bekleidet mit dunklem Kapuzenpulli Beide fuhren mit einem weißen Kastenwagen mit blauer Aufschrift und Eiskristallzeichen in Richtung Portlandstraße davon.

Hinweise bitte an die Kriminalpolizei Mainz, Telefon: 06131-653633

Rückfragen bitte an:

Polizeipräsidium Mainz
Pressestelle

Telefon: 06131-65-3080
E-Mail: ppmainz.presse@polizei.rlp.de

Begegnung an der Litfaßsäule (Freitag, 21. März 1975)

1975, Bahnstr., Parfümerie SimonkopieFoto von Herrn Karl Hermann Matthias, gepostet mit der ausdrücklichen Erlaubnis des Urhebers. (Herr Matthias war 42 Jahre lang Lehrer für Kunst, Deutsch und Geschichte an der Kanonikus-Kir-Realschule.).

Leseprobe aus dem laufenden Romanprojekt „Woodstock ist nicht alles…“(Arbeitstitel)

Orte der Handlung: Schillerplatz – Münsterplatz – Bahnhofstraße

Warum sieht der mich so an? Olivia schwelgte noch in dem federleichten Hochgefühl des Nachmittags in der Wohngemeinschaft. Der Blick des GIs störte sie. Gerade war er an die Litfaßsäule herangetreten –jetzt stand er dort, sehr aufrecht, sehr gerade, genau in dem Ausschnitt, den sie zeichnete. Über seinem Kopf blitzte die Reklame für eine Single von Udo Jürgens: Griechischer Wein, gleich daneben eine Kinowerbung: Der Pate, Teil 2.

Unschlüssig trat sie ein paar Schritte zur Seite. Der Amerikaner folgte ihr mit den Augen, die Brauen etwas nach oben gezogen. Ein angedeutetes Lächeln umspielte seinen Mund, freundlich, ein klein wenig spöttisch. Groß und schlank war er, das Gesicht schmal und kantig, die Haare aschblond.

An wen erinnert er mich nur? Sie starrte zurück, obwohl sie das gar nicht wollte. Bestimmt ein Pilot, stationiert in Finthen. Das leichte Kribbeln im Sonnengeflecht irritierte sie. Was sollte das? Ami go home.

Seit sie dabei war, in Werners Welt einzutauchen, hörte sie Janis Joplin und Jimi Hendrix, bedauerte zutiefst, dass sie 1968 zum Woodstock-Konzert erst neun Jahre alt gewesen war. Das Gefühl, zu spät geboren zu sein, nagte an ihr. Jetzt war sie sechzehn, bereit, hatte aber diese wunderbare Zeit des Aufbruchs und der neuen Ideen knapp verpasst.

Sie stand mit dem Amerikaner auf einer Höhe, der Abstand zwischen ihnen betrug etwa zwei Meter. Ihr stockte der Atem. Ob vor Erstaunen oder Entrüstung hätte sie nicht sagen können. Der GI hob grüßend die Hand und nickte ganz leicht in ihre Richtung, etwas herausfordernd.

Sie warf ihm einen giftigen Blick zu, steckte den Zeichenblock in die bunte Hirtentasche und lief an der Litfaßsäule vorbei zur Haltestelle der Buslinie Nr. 13. Blaue Augen und blonde Haare. Ich mag sie sowieso lieber dunkler. Olivia fühlte sich völlig verunsichert.

Auf dem Schillerplatz war viel los wie in der gesamten Mainzer Innenstadt. Es war kein gewöhnlicher Freitag, sondern der Freitag vor dem Karfreitag und die Schulferien hatten bereits begonnen.

Sie zwang sich dazu, sich nicht mehr umzudrehen. Der GI interessierte sie grundsätzlich nicht, weil die Amis die Bundesrepublik seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges besetzt hielten, und auch deshalb nicht, weil er sie davon abgehalten hatte, ihre Zeichnung weiter zu verbessern.

Mit Zeichnen konnte Olivia das Leben ertragen. Nicht, dass ihr Leben schlecht gewesen wäre. Alles in allem konnte sie sich nicht beklagen, weder über ihre Familie noch über ihre Freunde. Die Lehre in der Gutenberg-Buchhandlung war nicht schlecht … Aber Olivia suchte unermüdlich nach einem Sinn in ihrem Leben. Oft träumte sie sich hinweg, weil das wahre Leben nicht ihren Vorstellungen entsprach. Also zeichnete sie – zu Hause auf ihrem Bett, in der Mittagspause in dem kleinen Aufenthaltsraum der Mitarbeiter, vorm Fernseher, am Frühstückstisch, am liebsten aber irgendwo in Mainz, um etwas von ihrer Stadt auf dem Papier festzuhalten. An der Litfaßsäule hatte sie die letzten Tage in ihrer Mittagspause immer wieder gearbeitet. Gerade eben wollte sie der Skizze den letzten Schliff verpassen.

Als der Bus anhielt, stieg sie ein, froh darüber, einen Fensterplatz im hinteren Bereich zu ergattern. Automatisch, ohne ihren Willen zu beachten, drehte sich ihr Kopf zur Seite. Er stand immer noch da. In ihrem Bauch flatterte ein Schmetterling. Schnell schaute sie wieder weg. Das kam nicht in Frage.

Benny, der Ultralinke in Werners WG, hatte ihr heute wortreich erklärt, warum die US Army eine Besatzungsarmee und die USA ein kapitalistisches Land waren. Olivia hatte seinen Ausführungen aufmerksam gelauscht, aber trotzdem nicht alles verstanden. So sehr sie auch dazu gehören wollte, die Argumentation leuchtete ihr nicht vollkommen ein, und – was noch schwieriger zu unterdrücken war – es fühlte sich so komisch an. Olivia dachte an Bert aus Tennessee, der an der Mainzer Uni zusammen mit ihrer Mutter studiert hatte und ihre Familie manchmal besuchte, an ihre Verwandten in Maryland, die ebenfalls zu Besuch kamen. Alle diese Menschen mochte sie.

Aber eine Wohngemeinschaft! In der Altstadt! Sie war in einer gewesen, hatte auf dem Boden gesessen, selbstgedrehte Zigaretten geraucht, Tee getrunken. Stapel von Spiegel-Ausgaben überall, auch auf dem kleinen Klo mit Ziehspülung, Unmengen von schmutzigem Geschirr in der Spüle, Bierkästen unter dem Küchentisch. Das nächste Mal würde sie auch an der Haschischpfeife ziehen und das Kommunistische Manifest würde sie sowieso lesen. Vielleicht konnten die Gespräche und die Atmosphäre in der WG ihre innere Leere füllen. Das war womöglich sogar noch besser als Zeichnen.

Als der Bus am Münsterplatz hielt, erregten zwei junge Mütter, die mit riesigen Kinderwagen vor dem Schaufenster des Kinderladens standen und sich unterhielten, ihre Aufmerksamkeit. Ein schönes Motiv. Ihr Blick schweifte zur fünften Etage des Gebäudes neben dem Kinderladen. Sie liebte die Reklame, die auf dem Dach angebracht war. Dort prangte in riesigen Lettern: Dujardin, in Schrägschrift und daneben: Imperial, in gerader Schrift.

Darauf einen Dujardin, ging ihr durch den Kopf. Ein glitzerndes Glas mit bernsteinfarbener Flüssigkeit vor dem lächelnden Gesicht eines älteren Herrn. Olivia mochte die Fernsehwerbung. Als sie für einen Moment die Augen schloss, verwandelte sich das Gesicht des Mannes aus der Werbung und der GI von der Litfaßsäule lachte ihr zu. Erschrocken riss sie die Augen weit auf, setzte sich hastig gerade hin, als könnte sie sich auf diese Art und Weise disziplinieren.

Der Bus bog in die Bahnhofstraße ein. Als ihr Blick auf die Hauptpost fiel, erinnerte sie sich an die Ferngespräche in die USA, die sie früher, als sie noch klein war, zusammen mit ihrer Mutter dort geführt hatte. Was für ein Abenteuer … Jetzt fuhr der Bus an der Parfumerie Simon vorbei. Einige der Damen, die dort bedienten, sahen aus wie amerikanische Filmschauspielerinnen …

Bereits erschienen: „Calling USA“, Roman von Paula Dreyser, eine „deutsch-amerikanische“ Geschichte im Mainz der späten 70er-Jahre -überall im Buchhandel oder beim VA-Verlag

 

 

 

Amarena- oder Früchtebecher? – Der Eissalon Venezia in der Lotharpassage

Lotharpassage Mitte Ende 70er öffentlich genehmigtes Pressebild dpa

Lotharpassage in den 70ern, öffentlich genehmigtes Pressebild, dpa.

 

„Riecht hier schon etwas streng!“ Marie rümpft die Nase und eilt an der Fischküche am Beginn der Lotharpassage vorbei.

„Es stinkt bestialisch“, erklärt Dieter und grinst.

Petra ist es recht, dass ihre Eltern einen Zahn zulegen, um dem Duft zu entkommen, denn sie kann es kaum erwarten. Ihrem Vater scheint es ähnlich zu gehen. Zügig marschiert er voran, bleibt auch nicht vor dem Schaufenster mit den Briefmarken und Münzen in der Auslage stehen.

Mit einem Mal wird Petra hektisch, kommt sogar ins Laufen, würdigt auch die Schaufenster von Woolworth, diesem herrlichen Ramschladen, nicht eines Blickes, denn an einem sonnigen Samstagnachmittag im Mai wird es voll sein – im Eissalon Venezia. Das kann man sich ja wohl denken.

„Das beste Eis in Mainz und Umgebung!“, pflegt ihr Vater mit erhobenem Zeigefinger zu sagen.

„Dess Eis is es bessde fun gonns Meenz!“ So lautet das kategorische Urteil von Onkel Richard.

Recht haben sie. Das Eis vom Dolomiti ist auch nicht zu verachten. Der Dolomiti-Eissalon auf der Großen Bleiche sieht auch schöner aus und das wundervolle Schaufenster vom Juweliergeschäft Weiland befindet sich direkt nebendran. Da ist der Schmuck immer so toll dekoriert. Einmal waren sogar Wände im Schaufenster aufgestellt mit Malereien nach Art der alten Ägypter, in deren Tempeln und Pyramiden. Wie ihre Freundinnen schwärmt die elfjährige Petra für ägyptische Pharaonen und Pharaoninnen. Ihre Favoritin ist Nofretete, diese bildschöne Königin, deren Büste sie in einem Fotoband und im Geschichtsbuch ihrer Kusine, die schon in die sechste Klasse geht, gesehen hat.

„Puh.“ Ihre Mutter rümpft die Nase, als eine leichte Brise den Fischgeruch wieder heranweht.

Da flattert etwas vor Petras Füße: ein Blatt aus einer alten Zeitung. Sie erkennt die Beatles auf einem Foto und bleibt kurz stehen. Auf dem Seitenrand ist trotz des Drecks zu entziffern:  Allgemeine Zeitung … 8. Mai 1970. Um etwas von der Schlagzeile lesen zu können, muss sie sich nach vorne beugen: Trennung … letzte offizielle Beatles-LP … Ach wie blöd. Petra mag die Beatles, George Harrison ist ihr am liebsten. Aber noch lieber hört sie Michael Holm. Mendocino, Mendocino …

„Na, wo bleibt ihr denn?“ Dieter steht schon vor dem Venezia und winkt. An ihm vorbei schlüpfen mehrere Leute in den Eissalon. Jetzt gerät Petra in Panik. Früchtebecher oder Amarenabecher, geht es ihr durch den Kopf, während sie losrennt, nicht ganz so schnell, eher sachte. Es gehört sich nun mal nicht, durch die Lotharpassage zu rennen, schon gar nicht, wenn viele Leute unterwegs sind.

Ihre Mutter bleibt doch noch vor einem Geschäft mit Lederwaren stehen. Egal – Hauptsache, ihr Vater und sie sichern einen Platz. Atemlos huscht Petra hinein in den Salon. Der immer etwas grantig wirkende Besitzer schaut ernst drein. Ist wurscht! Aufatmend lässt sie sich neben ihrem Vater auf einen Stuhl fallen. Geschafft! Glücklich schauen sich beide an. Der Eissalon füllt sich schnell. Stühle werden gerückt, ein paar Worte gewechselt, Kinder lachen.

„Also, was nehmen wir?“ Vergnügt reibt Dieter sich die Hände, rückt seine Brille zurecht und sieht aus wie ein kleiner Junge. „Frucht oder Amarena?“

„Ach, ich weiß nicht!“ Petra hat Spaß an diesem Spiel. Es gehört zu dem Eissalon-Vergnügen. Tatsache ist, dass sie sich gar nicht entscheiden müssen, weil sie beide, Vater und Tochter, auf jeden Fall zwei Eisbecher verdrücken werden. Es geht eigentlich nur um die Reihenfolge. Herausgestellt hat sich, dass es besser ist, zuerst einen Amarenabecher niederzumachen und danach einen Früchtebecher zu vertilgen. Weil die Amarena-Kirschen unglaublich süß sind und das Säuerlich-Fruchtige vom Früchtebecher danach sehr gut passt. Durst kriegen sie dann sowieso und direkt nach dem Eis gibt es ja auch nichts zu trinken. Das muss dann eben ausgehalten werden.

„Ach, ihr seid ja schon sehr beschäftigt.“ Schmunzelnd tritt Marie an den Tisch heran, stellt ihre schwarze Lederhandtasche ordentlich auf einem Stuhl ab. Dann nimmt sie Platz, achtet darauf, dass ihr Kleid nicht krumpelt.

„Ich nehme den Amarenabecher.“ Dieter nickt vielsagend.

„Ich auch!“, kräht Petra.

„Ja bitte?“ Die junge Bedienung mit den tollen, langen, schwarzen Haaren ist eine ganz Freundliche. Lächelnd zückt sie ihren Block.

„Zwei Amarenabecher, bitte.“ Jetzt ist Petras Vater wieder ein ernster, gesetzter Familienvater, spricht mit tiefer Stimme.

„Für mich ein Eistürmchen“, flötet Marie und spitzt die Lippen.

Ja, das schmeckt auch gut, denkt Petra, ist aber ne viel zu kleine Portion.

Eine italienische Familie mit zwei kleinen Kindern übernimmt den Nebentisch mit lautem Gerede und viel Gestik. Die beiden Erwachsenen nicken freundlich herüber. Dann unterhalten sie sich quer durch den Raum mit dem Besitzer. Es dauert eine Weile, bis die Familie sich sortiert hat. Vor allen anderen kriegt der etwa fünfjährige Junge – ein ganz Wilder, mit Spielzeugpistole am Halfter – eine Portion Erdbeereis im Becher, mit Waffel. Sofort hält er Ruhe. Glücklich beschäftigt er sich mit seinem Eis. Nach einer Weile versucht er, seiner vielleicht zweijährigen Schwester, die, in rosa Kleid und mit rosa Haarschleife, friedlich auf dem Schoß ihrer Mutter sitzt, von dem Eis etwas einzuflößen. Am Ende schmiert er ihr den Mund voll damit, die Kleine leckt das Eis ab und kräht dabei vor Vergnügen. Das Mädchen ist im Nullkommanichts eingesaut. Die Eltern lachen.

Ach wie gemütlich, denkt Petra, bei mir wäre das nicht gegangen.

„Nicht mal ein Lätzchen“, flüstert Marie Dieter erstaunt zu.

Der schmunzelt. „Na ja …“, meint er und grinst.

Nachdem der Amarenabecher verputzt ist, ordert Dieter mit einem strahlenden Lächeln zwei Früchtebecher. Als er und Petra sich darüber hermachen, erklärt er: „Nachher gehen wir nochmal zum Fischtorplatz. Da steht die Bauhütte. Bald geht es ja los, mit dem neuen Rathaus …“

„Ach.“ Marie würde lieber die Ludwigsstraße entlangschlendern bis zum Schillerplatz und Schaufenster ansehen.

„Och.“ Petras Stimmung kippt ein klein wenig. Sie hat sich mit ihren Freundinnen zum Gummitwist verabredet. Ob das dann mit der Zeit noch hinhaut …? Na ja, so schlimm ist das Vorhaben ihres Vaters auch wieder nicht und ändern kann sie daran ja sowieso nichts…

Die Welt ist in Ordnung – im Eissalon Venezia. Das Eis schmeckt köstlich. Die Kinder halten Ruhe. Man gönnt sich und der Familie etwas.

 

Geschichten aus Mainz, früher und heute, von Paula Dreyser.

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Gedanken zu Lee Barracks, RAF und Lili Marleen im Terrorherbst 1977

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Titelfoto von Michael Ciaccio, ca. 1976. Aufnahme von „Innen“

Leseprobe aus Calling USA von Paula Dreyser

Nach der Entführung der Lufthansa-Maschine Landshut am 13. Oktober 1977 steht die Bundesrepublik unter Schock. Die siebzehnjährige Schülerin Lydia „geht“ seit einer ganzen Weile „fest“ mit Steve, einem zwanzigjährigen GI. Am Freitag, dem 14. Oktober 1977 wartet sie vor den Lee Barracks in Gonsenheim auf ihn.

Personen: Lydia und Steve, Ellen (Lydias beste Freundin) und Ben (Steves Kumpel)

Orte des Geschehens: Lee Barracks, Gasthaus Zur Krimm

 

Freitag, 14. Oktober 1977

Um irgendetwas zu tun, warf Lydia ein Zehnpfennigstück in den knallroten Automaten und drehte den Hebel. Außer einer giftgrün gefärbten Kaugummikugel fiel ein billiger Blechring mit herzförmigem, rosa Glitzerstein in das Fach. Klasse, ein Hauptgewinn. Früher war ich ganz wild auf diesen Kram.

Während sie die klebrige Kugel in den Mund schob, trat sie von der Straße zurück und stellte sich neben den Eingang der kleinen, bei den GIs sehr beliebten Pizzeria. Von ihrer Position aus hatte sie den Haupteingang zur Kaserne im Visier, stand aber nicht völlig auf dem Präsentierteller für die Soldaten, die auf ihrem Weg zur Straßenbahnhaltestelle an ihr vorbeiliefen. Einige waren allein unterwegs, viele zu zweit oder in kleinen Gruppen. Lydia fühlte sich frei. Ihr Herz nahm an Volumen zu, dehnte sich erwartungsvoll diesem Freitagabend entgegen. Die Peter-Stuyvesant-Reklame mit dem Bild der Freiheitsstatue und dem Spruch vom Duft der großen weiten Welt fiel ihr ein.

Die meisten Soldaten bemerkten sie trotzdem, viele lächelten ihr zu. Fehlt nur noch Lili Marleens Laterne, an die ich mich lehnen könnte.

Sie warf einen hastigen Blick auf ihre Armbanduhr, sieben Uhr. Komm doch! Als sie wieder aufsah, schlenderte Steve gerade durch das Tor. Er müsste eigentlich rennen. Vor Aufregung bekam sie feuchte Hände. Instinktiv, ohne vernünftigen Grund, trat Lydia einen Schritt zurück, um sich hinter der Hauswand zu verstecken. Ein geradezu wohliger Schauer kroch ihren Rücken entlang. Wie im Kitschroman, total albern.

Steve winkte dem Soldaten im Wachhäuschen und steuerte geradewegs auf sie zu. Er wusste genau, wo sie auf ihn warten würde.

Lydia fühlte sich um ihren Spaß betrogen, spuckte den Kaugummi aus und trat wieder nach vorn.

„Hey Babe.“ Da war es wieder, sein unbeschreibliches Lächeln. Das ist meiner! Bei diesem Gedanken triumphierte sie innerlich, begann zu zittern, nicht vor Angst oder Kälte, sondern als Ausdruck eines zutiefst empfundenen Behagens. Das hier ist richtig!

„Hey.“

Sie umarmten und küssten sich. Lydia schmiegte sich an ihn. Irritiert und etwas ungehalten nahm sie zur Kenntnis, dass Steve gleich wieder von ihr abrückte.

„Lass uns ins Gasthaus an der Krim gehen“, sagte er. Samtiges Braun und schillerndes Grün. Lydia schwebte.

„Ben und deine Freundin sind schon dort.“

Ja, das wusste sie. Ben und Ellen verstanden sich gut, waren heute zusammen in der PX gewesen. Hand in Hand machten sie sich auf den Weg.

„Wie geht es so? Irgendetwas Besonderes passiert seit letztem Mittwoch?“, fragte er leichthin.

Abrupt blieb sie stehen, aus luftigen Höhen gefallen und knallhart in der Realität zurück. Fassungslos starrte sie ihn an. Ob irgendetwas passiert war? „Eine Lufthansamaschine wurde gestern von Terroristen entführt.“ Es klang wie ein Vorwurf.

Seit dem Nachmittag des Vortages berichteten die Medien davon. Das Thema beherrschte nicht nur Funk und Fernsehen, sondern auch die Gespräche der Menschen. Die Ereignisse hatten auch Lydia erreicht, die ansonsten fast alles, was außerhalb ihres deutsch-amerikanischen Mikrokosmos passierte, nur am Rande zur Kenntnis nahm. Und Steve wollte wissen, ob es etwas Besonderes gäbe? Auf welchem Stern lebte er?

Fragend zog er die Augenbrauen nach oben. „Davon habe ich nichts gehört“, antwortete er mit einem unergründlichen, merkwürdig verschlossenen Gesichtsausdruck.

Lydia traute ihren Ohren nicht. „Hast du mitgekriegt, dass die RAF einen wichtigen Mann der deutschen Wirtschaft entführt hat?“

„Nein.”

“Den Namen Schleyer schon mal gehört?”

Langsam schüttelte er den Kopf. Kaum merklich fror seine Mimik ein. „Wieso redest du in diesem aggressiven Ton mit mir? Was soll das werden, ein Verhör?“

Lydia schluckte, versuchte, sich zu mäßigen. „Steve, ständig wird davon berichtet. Ihr hört doch auch Radio und seht fern.“

„Klar, wir hören AFN und lesen die Stars and Stripes. Zum Appell kriegen wir die neuesten Nachrichten aus den USA und alle Informationen, die unsere Streitkräfte betreffen, mitgeteilt.“

Sie sehen und hören keine deutschen Sender. Die Verblüffung über diese Erkenntnis nahm Lydia den Wind aus den Segeln. Im nächsten Moment wurde ihr etwas klar: Natürlich nicht, sie sprechen ja kein Deutsch. Irgendwie leben wir doch in zwei verschiedenen Welten. Der Gedanke stimmte sie traurig.

Entschlossen nahm er ihre Hand, um weiterzugehen.

Lydia fühlte sich gemaßregelt, spürte, dass er sauer war, konnte aber keine Ruhe geben. „Was ist mit der RAF, Rote Armee Fraktion, Baader-Meinhof-Gruppe?“ Mist, das hört sich schon wieder schulmeisterlich und ziemlich spitzfindig an.

„Wir GIs kümmern uns um unsere eigenen Angelegenheiten.“ Das klang arrogant.

Von einer Litfaßsäule am Straßenrand starrten ihnen die schwarz-weißen Gesichter von zwölf noch flüchtigen RAF-Terroristen entgegen. Mühsam verbiss sich Lydia einen Kommentar.

Den Rest des kurzen Weges schwiegen sie. Mit dem Betreten des Lokals löste sich die schlechte Stimmung zwischen ihnen auf. Alles war wie immer, eine Kneipe, in der Freunde warteten, Zigarettenrauch, leichter Bierdunst, dazu Glen Campbells Wichita Lineman.

Ben und Ellen winkten stürmisch, waren offensichtlich bester Laune.

Sie setzten sich zu ihnen.

„Hey.“

„Alles klar bei dir?“ Lydia griff über den Tisch und berührte ihre Freundin leicht an der Schulter.

Vor zwei Wochen war Ellen aus dem Haus ihrer Eltern ausgezogen, nachdem die ständigen Streitereien mit ihrem Vater, der zu viel trank, eskaliert waren. Mit Hilfe ihrer Mutter hatte sie ein Zimmer in einer Wohngemeinschaft gefunden. Ellen war bereits neunzehn Jahre, also volljährig. Bei dem Umzug hatten Schulkameraden und amerikanische Freunde geholfen.

„Alles bestens“, erklärte Ellen aufgeräumt. „Ben regt sich immer noch über das einfache Badezimmer in meiner WG auf. Vor allem die Badewanne findet er altertümlich. Er hat auch überhaupt kein Verständnis dafür, wenn Leute nicht jeden Tag duschen.“

Ben nickte heftig. „Nur GIs im Manöver sind entschuldigt“, erklärte er.

„Na ja, ich kenne viele Leute, die gar keine Dusche haben. Es ist noch nicht lange her, da war Samstag Badetag.“ Die  irritierten Gesichter der beiden Männer amüsierten Lydia.

„Unter der Woche gab es nur Katzenwäsche“, fügte Ellen hinzu, die offensichtlich ebenfalls ihren Spaß hatte.

Die Amerikaner schüttelten die Köpfe. Bei der jungen Kellnerin bestellte Steve für sich ein Bier und für Lydia eine Bluna.

„Mann, das vermisse ich, korrekte Duschen.“ Ben zündete sich eine Zigarette an.

Steve lachte. „Ja, und die Autos!“

Lydia und Ellen wechselten einen vielsagenden Blick. Sie mochten die riesigen amerikanischen Kutschen überhaupt nicht.

„Was vermisst ihr denn sonst noch so?“, wollte Ellen wissen.

Lydia war ganz Ohr.

„Angeln im Ozean. Zelten mit den Kumpels.“ Das war Steve.

Ja, New Jersey lag ja am Meer.

„Autokinos und Eistee.“ Genüsslich zog Ben an seiner Zigarette.

„Mit jeder Menge Eiswürfel.“ Steve strahlte über das ganze Gesicht, fuhr sich unbewusst mit der Zunge über die Lippen. „Geschäfte, die immer offen sind“, fiel ihm noch ein.

Nachdem die Kellnerin die Getränke für Steve und Lydia serviert hatte, erhob Ben sein Glas und prostete seinem Kumpel zu. „Lass uns darauf trinken, dass das hier irgendwann vorbei ist, und dann heißt es ‚back to the world‘.“

Sie stießen ihre Biergläser gegeneinander.

Lydia erstarrte.

„Wie lange hast du eigentlich noch, Steve?“ Ben war offensichtlich bester Laune.

Bei dieser Frage schnürte sich Lydias Hals zu.

„Zwanzig Monate, zwei Wochen, drei Tage.“

Lydia fühlte Ellens besorgten Blick auf sich ruhen. Sie sah zu ihrer Freundin und lächelte tapfer. Bis dahin blieb ihnen ja noch jede Menge Zeit.

Steve schwelgte mit Ben in Erinnerungen an Highschool-Partys, Truthahnessen an Thanksgiving und Weihnachten in den Staaten.

Lydia und Ellen waren ausgeschlossen, zum Publikum degradiert.

Von einer Sekunde zur nächsten verwandelte sich Lydias Beklemmung in Wut. Back to the world! Das ich nicht lache. Hier bei uns spielt die Musik. Sie spürte einen unbändigen Drang, Steve und Ben etwas entgegenzuhalten, einen Kontrapunkt zu setzen. Plötzlich hatte sie genug von dem ewigen sich zurücknehmen, sich ruhig verhalten, nicht auffallen …

„Weißt du das Neueste von der Landshut-Entführung?“, wandte sie sich direkt an Ellen, sprach aber Englisch.

Die verstand sofort, worum es ging.

„Mittlerweile ist klar, dass es einen Zusammenhang zwischen der Flugzeugentführung und der Schleyersache gibt. Die palästinensischen Terroristen und die RAF kooperieren.“

„Terroristen, die sollte man aufhängen“, sagte Ben schlicht.

„Bei uns gibt es keine Todesstrafe“, entgegnete Ellen sachlich.

„Leider, ich sehe das genauso wie Ben“, erklärte Steve. Er hielt die Innenfläche der rechten Hand nach oben, um seine Worte zu unterstreichen.

Bei dieser Geste wurde es Lydia wieder warm ums Herz. Ich kenne ihn so gut.

„Wenn es hundertprozentig bewiesen ist, dass jemand gemordet hat, bin ich auch für die Todesstrafe. Das gilt auf jeden Fall für Terroristen“, fuhr Steve fort.

Ben nickte. „Red Army Faction.“

Steve deutete mit dem Zeigefinger auf seinen Freund. „Du sagst es, Mann.“

Überrascht sah Lydia von einem zum andern. Sie wussten ja doch etwas.

Jetzt wandte Steve sich ihr zu. Seine Augen funkelten, die Andeutung eines Lächelns lag auf seinem Gesicht, aber da war noch etwas in seiner Miene – ein Anflug von Spott.

„Vor einigen Jahren wurden Bombenanschläge auf unsere Hauptquartiere in Frankfurt und Heidelberg verübt, beide Attentate in einem einzigen Monat. Dabei kamen Soldaten und zivile Bedienstete ums Leben. Das geht auf das Konto der RAF.“

Lydia horchte auf, zu verblüfft, um verärgert zu sein. Hatte er sie reingelegt? Oder war sie ihm nur auf die Nerven gegangen?

 

„Calling USA“, Roman von Paula Dreyser, eine „deutsch-amerikanische“ Geschichte im Mainz der späten 70er-Jahre

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Christuskirche Mainz Bildergalerie

Die Christuskirche von Mainz ist eine evangelische Kirche, die von 1896 bis 1903 nach Entwürfen von Eduard Kreyßig erbaut wurde.

Gedacht als repräsentatives Gegengewicht zum Dom, ragt die 80 Meter hohe Kuppel der Christuskirche architektonisch aus dem Ensemble der Kirchtürme in der Innenstadt heraus.

Kreyßig hatte den Bau im Stil der italienischen Hochrenaissance – die Kuppel erinnert an St. Peter in Rom – entworfen. Als die Christuskirche 1903 nach siebenjähriger Bauzeit eingeweiht wurde, hatte die Stadt ein neues Wahrzeichen hinzugewonnen.
1945 wurde die Christuskirche schwer beschädigt, 1952 begann der Wiederaufbau des Gotteshauses. Heute finden in der Christuskirche nicht nur Gottesdienste , sondern auch Veranstaltungen, Ausstellungen und Konzerte statt.

http://christuskirche-mainz.de/

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Christuskirche im Jahr 1911
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Christuskirche im Jahr 1910
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Christuskirche 1930
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Christuskirche 1919
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Christuskirche 1933
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Christuskirche 1913

Mehrere einbrüche in Gastronomie 14+15.04

Mainz (ots) – In der Nacht zum 14.04.2016 versuchten unbekannte Täter über den Hinterhof in einen Gastronomiebetrieb in der Leibnizstraße einzubrechen. Die dortige Terrasse ist mit einem Pavillon überdacht und begrenzt. Eine der Seitenwände wurde beiseite geschafft, dann versuchten der oder die Täter, ein Fenster aufzubrechen. Dieses wurde beschädigt (die äußere Scheibe der Doppelverglasung zersprang). Es blieb beim Versuch. Möglicherwiese wurden der oder die Täter gestört.

Die Polizei sucht Zeugen: Hinweise bitte an die Kriminalpolizei Mainz: 06131 – 65 3633


Mainz (ots) – Heute Morgen, 15.04.2016, wurden zwei Einbrüche in Gaststätten angezeigt. In beiden Fällen wurden vor allem die in den Gaststätten befindlichen Automaten aufgebrochen und geleert. Im Kaiser-Wilhelm-Ring, zwischen Aspeltstraße und Josefsstraße, ging bei dem Einbruch eine ganze Fensterscheibe zu Bruch. Möglicherweise haben Anwohner in der Nacht entsprechende Geräusche gehört und können Angaben zur Tatzeit und verdächtigen Personen oder Fahrzeugen machen. Der zweite Tatort liegt in der Rheinstraße, Ecke Weintorstraße. Hier fand eine Mitarbeiterin das Lokal ebenfalls aufgebrochen vor. Alles war durchwühlt und die Automaten waren aufgebrochen worden. Ein Fenster stand noch offen. Auch hier bittet die Polizei um Zeugenhinweise mit sachlichem Zusammenhang.

Hinweise bitte an die Kriminalpolizei Mainz: 06131 – 65 3633

Rückfragen bitte an:

Polizeipräsidium Mainz
Pressestelle

Telefon: 06131-65-3080
E-Mail: ppmainz.presse@polizei.rlp.de

Das Goldstein früher und heute oder – zwei Zigarettenlängen für eine Zeitreise

Bluhm Mainz 2

Wie eigenartig!“ Kopfschüttelnd zieht Katharina an ihrer Zigarette. “So – gepflegt.“

Alle drei schauen sich verdutzt an, bevor sie loslachen.

Hier draußen ist es aber in etwa noch so wie früher, davon abgesehen, dass es keine Bänke und langen Tische mehr gibt. Außerdem ist es natürlich viel ordentlicher und sauberer“, wirft Sophie ein.

Das versiffte Klo ist weg“, meldet sich Paula zu Wort. „Und da drüben, links vom Eingang, wo man auf die Schönbornstraße sieht, standen früher keine Tische. Da lungerten wir herum, versuchten verzweifelt, cool rüberzukommen und glotzten ständig auf die Straße, in der Hoffnung, dass sie endlich auftauchen würden.“

Auf den Gesichtern der drei Frauen breitet sich ein wehmütiges Lächeln aus.

Aber die Kastanienbäume, die Atmosphäre und irgendwie – die Luft … wie früher“, fügt Paula schließlich hinzu.

Na ja, im April riecht es eben schon langsam nach Frühling“, erklärt Sophie grinsend. „Früher gab es hier aber noch ganz andere Gerüche: Bierdunst, Wein, Zigarettenqualm …“

Ja, alle haben geraucht. Kippen waren salonfähig.“ Katharina hält ihre Zigarette hoch und schmunzelt. „Da habt ihr auch noch geraucht und keiner musste nach draußen gehen, um eine zu qualmen.“

 

Am Eingang zum Lokal raschelt es. Sie drehen sich um. Der smarte, grauhaarige Kellner tritt aus dem Restaurant in den Biergarten, setzt sich ganz in der Nähe auf einen Stuhl und zündet sich ebenfalls eine Zigarette an. Freundlich nickt er ihnen zu. „Bald können die Gäste draußen sitzen. Letzten Samstag war es so mild, dass einige Herrschaften es ziemlich lange im Freien ausgehalten haben“, sagt er gutgelaunt.

Der Biergarten war eigentlich immer der Renner.“ Paula kann es sich nicht erklären, aber mit einem Mal wird sie redselig gegenüber diesem Fremden. Irgendwie hat sie das Gefühl, dass sie sich unbedingt näher mit dem Mann befassen sollte. „Wissen Sie, wie es hier im Goldstein zuging, in den späten 70ern, so 76 bis 78?“

Ja, selbstverständlich.“ Der Mann grinst. „Da war hier de Deibel los! Viele Amis. Klasse Musik. Super Stimmung. Gitarrenspieler unter den Kastanienbäumen. Bier aus Flaschen. Klos, die man am besten mit Gummistiefeln betrat. Kult!“ Kurz überlegt er, fügt dann hinzu: „Aber im Vergleich zu den 60ern war es da schon deutlich ruhiger, zumindest was Schlägereien mit Amerikanern angeht.“

Eine Wahnsinnsstimmung, untermalt von Dark Side Of The Moon und 99 Luftballons.“ Sophie verdreht die Augen.

Ground Control To Major Tom.” Katharinas Wangen beginnen, sich zu röten.

Dadada“, japst Paula.

Wenn 500 Miles gespielt wurde, haben die Amis mitgesungen, einige mit Tränen in den Augen.“ Jetzt steht der Kellner auf und gesellt sich zu ihnen.

Die Frauen strahlen ihn an. Alle vier wechseln vielsagende Blicke miteinander. Sie bilden eine verschworene Gemeinschaft, die Gemeinschaft derer, die in ihrer Jugend im Goldstein unterwegs waren. Eine Gemeinschaft auf Zeit, auf sehr kurze Zeit, die aber in diesem Moment, an diesem Ort funktioniert.

Langsam dämmert es. Die Blätter der beiden mächtigen Kastanienbäume, deren Kronen sich wie ein lockeres Dach über den Biergarten wölben, rascheln geheimnisvoll. Oder flüstern sie? Hast du etwas Zeit für mich …

Fast erwartet man, dass junge Leute hereinkommen, um es sich gutgehen zu lassen, trinkend, lachend, rauchend. Take Your Protein Pills And Put Your Helmet On …

Paula stutzt, reibt sich die Augen. Hinter den ordentlichen Tischen und Stühlen auf gepflegtem Kies scheint sich eine Spalte in der Wirklichkeit aufzutun. Sie wird größer und gibt den Blick frei auf einfache Bänke, voll besetzt mit jungen Leuten, Deutschen und Amerikanern, an langen Tischen.

Schon am Kirschgarten war die Musik manchmal zu hören, auf jeden Fall aber dann, wenn man am Bluhm vorbeilief.“ Der Kellner grinst. „Übrigens – ich heiße Paul.“

Paula.“ „Sophie“. „Katharina.“

Man fing an zu schweben, sobald die Musik zu hören war …“

Stimmt, Sophie.“ Katharina lächelt vor sich hin. Alle anderen nicken. „Man war auch irgendwie elektrisiert …“

Peter Frampton!“ Genüsslich bläst Paul den Rauch aus.

Paula kommt es so vor, als wehten Klänge von der anderen Seite des Zeit-Spaltes herüber: Show Me The Way, Everyday …

Songs von Peter, Paul and Mary sind heute noch meine Favoriten“, erklärt Paul. Ganz weich klingt seine Stimme.

Da macht es Klick bei Paula. „Du warst also in den späten 70ern hier? Kannst du – Gitarre spielen?“ Mit einem Mal ist sie sehr aufgeregt.

Das springt auf Katharina und Sophie über. Sie haben eine Ahnung, um was es gehen könnte.

Paul sieht von einer zur anderen, mit gefurchter Stirn, lächelt schließlich. „Ich saß mit meinen Kumpels unter einem der Bäume, spielte Gitarre und wir sangen dazu.“

Ist ja ein Ding!“ Sophie lacht auf.

Hannes Wader …!“ Katharina sticht mir ihrer fast aufgerauchten Zigarette Löcher in die Luft.

„… ja, da war einer dabei, der konnte Hannes Wader gut imitieren“, frohlockt Sophie.

Heute hier morgen dort! Mensch, du warst einer der Typen, die hier Gitarre spielten“, jubelt Paula.

Jetzt ist es so, als würden sie sich schon ewig kennen, seit ihrer Jugend – sozusagen …

Für unsere musikalischen Einlagen gab es freie Getränke vom Wirt.“ Paul genießt die Aufmerksamkeit und Begeisterung seiner neuen alten Bekannten.

Ihr habt auch Lieder von Donovan gesungen und von Bob Dylan.“

Genau, Katharina. Einer meiner Kumpel konnte prima Mundharmonika spielen.“

Knock, knock, kockin´ On Heaven´s Door …”

Erstaunt blicken alle auf Katharina, die sich ganz leicht in den Hüften wiegt und Dylans Hymne vor sich hin summt.

Der Wirt vom Goldstein, den habe ich ein paar Jahre später in der Lebensmittelabteilung der Quelle am Brand gesehen. Das war ganz komisch.“

Ja Paula, das kann ich mir vorstellen. Leute, die zu der Freitag- und Samstagabend-Magie im Goldstein gehörten, im wirklichen Leben zu treffen – merkwürdig.“ Sophie seufzt. „Mann, hier gingen aber auch interessante Typen ein und aus. Gab es da nicht so einen riesigen, immer schwarz gekleideten Mann mit Narben an den Beinen?“

Stimmt!“ Katharina zündet sich direkt die nächste Zigarette an, nachdem sie auch Paul eine angeboten hat, der dankend annimmt. „Es gab Gerüchte darüber, dass der KGB ihn gefoltert hätte. Ich weiß nicht, ob das stimmt, aber es wurde immer wieder behauptet.“

Betretenes Schwiegen. Auf der anderen Seite der Zeit-Spalte beherrscht ein großer, schwarzgekleideter Mann die Szene.

Drinnen, in der Ecke in der Nähe von dem altmodischen Ofen saß oft ein, na ja, Obdachloser“, fällt Paula ein. „Der hatte Krücken.“

Der Berber-Jupp“, erklärt Paul sofort. „Langer Rauschebart, sprach fließend Französisch, las viel. Wir haben ihm immer mal was zum Lesen mitgebracht, Taschenbücher, Westernhefte. Er mochte alles.“

Er sprach fließend Französisch?“ Das interessiert Katharina.

Er war in französischer Kriegsgefangenschaft gewesen.“

Andächtiges Schweigen folgt. Aus dem Spalt winkt ein ziemlich verwahrloster, bärtiger Mann mit einem Buch: Das siebte Kreuz.

Die Polizei kam ziemlich oft.“

Katharinas Bemerkung bringt Paula irgendwie in Fahrt. „Da mussten Sophie und ich uns verdünnisieren. Wir waren noch keine achtzehn und durften nach 22.00 Uhr gar nicht mehr in Kneipen unterwegs sein.“

Man konnte sich in Richtung Zitadelle verziehen …“

Nee Paul, da guckte die Polizei als Nächstes. Da wurde nämlich gerne was Anderes geraucht als nur Zigaretten …“ Wieder sticht Katharina mit ihrer Zigarette Löcher in die Luft.

Allgemeines Grinsen.

Paula erkennt verschwommen vier GIs in dem Zeit-Spalt. Die jungen Männer stehen schwankend auf einem Tisch, von dem aus sie den Stamm von einem der Kastanienbäume erreichen können. Unter Kichern hieven drei leicht torkelnde Amerikaner den vierten nach oben. Schwerfällig und prustend vor Lachen schafft der es auf den untersten Ast. Guys, I made it!, schreit der im Baum, rutscht sofort nach vorne und schmiert ab – zurück auf den Tisch. Paula überlegt, ob sie diese Erinnerung mit den anderen teilen soll, aber Paul kommt ihr zuvor, mit einem gänzlich anderen Thema.

Auch der Erwin war manchmal hier.“

Erwin Tinz, oder?“ Katharina furcht die Stirn. Sie und Paul nicken sich zu, als würden sie ein Wissen teilen.

Klärt ihr uns auf?“ Ungeduldig zuckt Sophie mit den Schultern.

Ein bekannter Stadtstreicher, ein Mainzer Original. War dafür bekannt, dass er zeitweilig aggressiv wurde. Dann hat er auch schon mal die Leute vor dem Theater angepöbelt. Er fiel dadurch auf, dass er sein Zeug in einem Kinderwagen oder Einkaufswagen durch die Gegend fuhr …“

Als Paul eine Pause macht, übernimmt Katharina: „Polizisten sammelten ihn ein, im Dezember, als er wieder mal krakeelte und randalierte. Dann fuhren sie ihn nach Nackenheim in die Weinberge und setzten ihn aus. Da starb er an Herzversagen.“

Betroffene Gesichter. Die Leichtigkeit des Augenblicks verfliegt.

Ja, darüber gab es sogar einen Artikel im Spiegel“, sagt Sophie leise. „Aber das war nach unserer Goldsteinphase …“ Sie wirft erst Paula, dann Katharina einen vielsagenden Blick zu. „… Das ist 1980 passiert, kurz vor oder nach dem Mord an John Lennon.“

Schweigen. Die Zeitreise endet. Die Gemeinschaft beginnt, sich aufzulösen.

Paulas Spalte wird dunkel und schließt sich. Die Erinnerungen ziehen sich zurück wie Rauchschwaden. Was bleibt ist das Goldstein im Jahre 2015 – ein gepflegtes Lokal mit Biergarten in der Mainzer Altstadt.

Schlimme Sache …“ Paul drückt seine Zigarette an einem großen Blumentopf aus, wirft die Kippe aber nicht weg. „Ladies, es war mir eine Freude, aber jetzt muss ich wieder an die Arbeit.“

Ja, wir gehen auch wieder rein. So lange wollten wir gar nicht draußen bleiben“, sagt Sophie.

Wir brauchten halt zwei Zigarettenlängen…“ Katharina grinst.

„…für unseren kleinen Ausflug in die Vergangenheit.“

Nach Paulas Schlusswort gehen sie zurück ins Lokal, in guter, aber auch etwas wehmütiger Stimmung. Ja, wie man es auch dreht und wendet, es hat sich so einiges verändert …

Die Blätter wispern: Und es ist mir längst klar, dass nichts bleibt, dass nichts bleibt wie es war …

 

(Geschichten aus Mainz, früher und heute, von Paula Dreyser. Mit Dank an die Mitglieder verschiedener Facebook-Gruppen, die ihre Erlebnisse und Erinnerungen an das Goldstein mit mir geteilt haben.)

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St.Quintin Kirche Mainz 1934 – 2015

Die St. Quintin in Mainz ist die Pfarrkirche der ältesten nachgewiesenen Pfarrei der Stadt.

zum vergrössern der Bilder einfach anklicken (Bilder http://www.echte-Meenzer.de Sammlung)

http://www.dompfarrei-mainz.de

Unsere Pfarrkirche St. Quintin gilt als älteste Pfarrkirche von Mainz (sie wird 774 urkundlich erwähnt.). Sie ist eine spätgotische Hallenkirche, die in den Jahren 1288 bis 1330 erbaut wurde. Ihr Turm wurde 1489 erbaut und beherbergte auch eine Türmerwohnung.
Heute trägt er vier Glocken (unter anderem die älteste Glocke von Mainz, das so genannte “Lumpenglöckchen”, eine Bienenkorbglocke etwa aus dem Jahr 1250).

Der Heilige Quintin ist als überlebensgroße Statue links im Hochaltar dargestellt – er ist der Schutzpatron der Gefangenen. Auf der rechten Seite des Hochaltars steht der Heilige Blasius, der zweite Patron unserer Kirche.

Der linke der Seitenaltäre zeigt den heiligen Apostel Judas Thaddäus, zu dessen Gnadenbild viele Menschen pilgern (besonders an seinem Festtag, dem 28. Oktober). Er wird als Helfer in besonders ausweglosen Situationen angerufen – auf dem Altar liegt ein großes Fürbitt-Buch, in das sich zahlreiche Gläubige und Besucher mit ihren Sorgen und Nöten, aber auch mit ihrem Dank eintragen.

Hinter diesem Altar befindet sich die Kreuzkapelle. Dort befindet sich ein altes Kreuz, das den Gekreuzigten Jesus scheinbar mit einem Lächeln auf dem Lippen zeigt (der Korpus stammt vermutlich vom Beginn des 15. Jahrhunderts).

Auf der Empore steht ab Dezember 2011 eine Orgel aus der Werkstatt Nelson/Durham aus dem Jahr 1906, und im Altarraum die ehemalige Orgel des Christus-Pavillon der EXPO 2000 in Hannover (eine Truhenorgel aus Glas) von der Firma Vleugels.

Vom Beginn des Advent bis zum 2. Februar (Fest der Darstellung des Herrn) kann man in St. Quintin eine in Mainz einzigartige Advents- und Weihnachtskrippe sehen. Diese Krippe stellt nicht nur die Geburt Christi dar, sondern deutet dem Betrachter Gottes Heilsgeschichte – von Adam und Eva (die Vertreibung aus dem Paradies), Jesaja (die Verheißung des Erlösers) und Johannes dem Täufer (dem Vorläufer Jesu) bis hin zu Bethlehem und den Sterdeutern aus dem Osten. Sie wurde 1929 – 1931 von dem Bildhauer Philipp Müller aus Heppenheim geschaffen.

Auch beherbergt unsere Kirche das wohl größte und wertvollste Gemälde der Stadt Mainz – die Himmelfahrt Mariens – (7,20m hoch und 2,50-3,50m breit), geschaffen vom österreichischen Maler Franz Anton Maulbertsch (*1724, + 1796).

Noch viele kleine und große Kostbarkeiten sind in St. Quintin zu finden – sie können hier nicht alle erwähnt werden. Ein Besuch lohnt sich also immer!

Der heilige Quintin, dem unsere Kirche geweiht ist, war römischer Bürger und Kind einer vornehmen Senatorenfamilie. Er starb für seinen Glauben am 31. Oktober 287. Seine Attribute sind die Ketten an seinen Füßen (früher von den Händen zu den Füßen), sowie ein Bratspieß, was auf seine grausamen Marterungen hinweist.

Im Zelebrationsaltar von St. Quintin ist eine Reliquie des Heiligen eingelassen. Eine weitere Reliquie des Heiligen Quintin liegt in einem kostbaren Schrein, den der Bischof von Soissons 1950 aus der Kathedrale von Saint Quentin/Frankreich aus Verbundenheit der Mainzer Quintinskirche schenkte. Diese Reliquie wird am Festtag des heiligen Quintin vor dem Altar ausgestellt.

Das Patrozinium feiern wir am 31. Oktober – im Zuge einer Heiligen-Kalenderreform musste St. Quintin zwar dem heiligen Wolfgang weichen (sein Gedenktag wurde auf den November verlegt) und wurde bei der letzten Reform sogar ganz gestrichen, nichtsdestotrotz feiert die Quintins-Pfarrei jedes Jahr am 31.10., dem Sterbetag des Heiligen, ihren Kirchenpatron.
An St. Quintin erinnert in Mainz heute auch eine Strasse, die “Quintinsstraße”, sowie die “Kleine Quintinsgasse”.

In den USA ist ein Gefängnis nach dem Heiligen benannt – Sankt Quintin ist ja der Patron der (zu Unrecht) Gefa

 

Lutherkirche Galerie 1949 – 2015 Mainz

[Bildindex  der Kunst und Architektur]
Lutherkirche 1949 – (Sammlung Echte-Meenzer.de
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Lutherkirche 1950 – (Sammlung Echte-Meenzer.de

[Bildindex  der Kunst und Architektur]
Lutherkirche 1950 – (Sammlung Echte-Meenzer.de
[Bildindex  der Kunst und Architektur]
Lutherkirche 1989 – (Sammlung Echte-Meenzer.de
 

[Bildindex  der Kunst und Architektur]
Lutherkirche 1994 – (Sammlung Echte-Meenzer.de)
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Aktuell ( Bild Wikimedia.org)

Die Luthergemeinde war als evangelische Kirchengemeinde für die Oberstadt im November 1930 ohne eigenes Kirchengebäude gegründet worden. Die Gottesdienste fanden in verschiedenen Sälen der Oberstadt statt. Das Projekt einer eigenen Kirche kam erst nach der Zerstörung aller drei evangelischen Kirchen in Mainz in Gang.

Die Kirche wurde im Jahre 1949 als erste Kirche nach dem Zweiten Weltkrieg in Mainz gebaut. Dies wurde durch das Notkirchenprogramm der Evangelischen Kirche in Deutschland und tatkräftige Mitarbeit der Gemeindemitglieder ermöglicht. Der Entwurf des Architekten Otto Bartning führte zu einem beeindruckenden und sich harmonisch ins Stadtbild einfügenden Kirchenbau.

 

 

Der Fischturm und der Fisch Jackob Mainz

[Bildindex  der Kunst und Architektur]
Fischturm Mainz (Sammlung Meikel Dachs)
Der Straßenname: Fischtorstraße

Hier lag ursprünglich der Fischturm, vor dessen Pforte der mittelalterliche Fischmarkt stattfand. Der Fischturm war ein Wach und Gefängnissturm der Stadtbefestigung Mainz. Diesen Bereich bewohnten Fischer, Rheinschiffer und Händler. Weitere Namen in unmittelbarer Umgebung erinnern ebenfalls an Fischerei: Fischergasse, Unter den Heringskästen, Salmengässchen (Salm = Lachs)

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Quelle Fisch Jackob Mainz

Der Unternehmensname: Fisch Jackob

1897 Edmund Jackob gründet in der Fischergasse die Edmund Jackob Fischhandlung. Verkauft werden Rhein- und Seefische.
1935 Das Geschäft zieht in die Fischtorstraße und wird in Fisch – Jackob umbenannt.
1961 Nach der Zerstörung durch einen Fliegerangriff 1942 und Stationen am Liebfrauenplatz sowie in der Augustinerstraße wird das Geschäft in der Fischtorstraße wiedereröffnet.
1980 Umfirmierung in Fisch Jackob

[Bildindex  der Kunst und Architektur]
Fischturm Mainz (Sammlung Meikel Dachs)

der Eisenturm Mainz und seine Geschichte

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Eisenturm im Jahr 1910 (Privatsammlung Meikel Dachs)

Das spätromanische Torgeschoß des Eisenturms mit dem Rundbogen Portal wurde in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts erbau. Das Rundbogen Portal schmücken zur Rheinseite hin zwei romanische Löwenskulpturen aus Sandstein. Sie befinden sich auf ornamentierten Kämpferaufsätzen über gekehlten Ecksteinen. Eine der Figuren hält einen Widder in ihren Pranken, teilweise interpretiert als Symbol kirchlicher Macht. Die zweite Löwenskulptur hält ein Fabelwesen (Drachen) in ihren Pranken, das Symbol weltlicher Macht. Die beiden Löwenfiguren sind zeittypisch nur stilisiert herausgearbeitet und galten in der romanischen Zeit als Gleichnis abwehrbereiter Wachsamkeit.

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Eisenturm Rückseite 1912 )Privatsammlung Meikel Dachs)

In der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts wurden die Geschosse des Turms auf insgesamt sechs Geschosse aufgestockt und dieser damit erhöht. Gegen Ende des 16. Jahrhunderts, eventuell auch schon zu Anfang des 14. Jahrhunderts, verlor das Portal seine Funktion und der Zugang zur Stadt erfolgt über das so genannte Eisentürlein in einem direkt an den Turm angebauten kleineren Gebäude.

Der Eisenturm wurde im 18. Jahrhundert zur Rheinseite hin mit einer Mauer umbaut, die bis in das beginnende 20. Jahrhundert stand. Bis 1945 waren an der Löhrstraßenseite zudem kleinere Fachwerkhäuser angebaut.

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Eiserner Turm 1912 (Privatsammlung Meikel Dachs)

Der Eisenturm diente von seiner Erbauung bis in das 16. Jahrhundert als Stadt- und Torturm im Rahmen der Mainzer Stadtbefestigung. Seinen durchaus auch repräsentativer Charakter verdankte er der im Mittelalter durch die Rheinschifffahrt stark frequentierten Rheinfront und dem Handelsschwerpunkt der Stadt am Rhein. Der Eisenturm bildete dabei zusammen mit den anderen Türmen der Rheinseite (Holzturm, Fischturm u.a.) einen weltlich-architektonischen Gegensatz zu den vielen Kirchentürmen der Kirchenstadt Mainz.

Im Mittelalter wurde rund um den Eisenturm der Markt der Mainzer Eisenhändler abgehalten, welcher dem Turm den bis heute gebräuchlichen Namen gab. Ab dem 17. Jahrhundert nutzte man die oberen Turmgeschosse als Hauptgefängnis. Prominente Gefangene des damals französischen Mayence, die im Eisenturm eingesperrt wurden, waren 1813 einige Offiziere des Lützowschen Freikorps. Nach 1848/1849 saßen hier die Mainzer Revolutionäre im Anschluss an die Märzrevolution als politische Gefangene bis zu ihrer Freisprechung 1850 in Haft.

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Bildquelle und Besitz : Michael Schuster –  Maler : Hartung

1900 sollte der Eisenturm abgerissen werden. Der Mainzer Altertumsverein rettete allerdings das Gebäude und der Eisenturm ging 1905 in das Eigentum der Stadt Mainz über. Nach dieser Zeit beherbergte der Eisenturm ein Maleratelier und kleinere Wohnungen. In dem durch die rheinseitige Ummauerung gebildeten Hof wurden damals auch alte Steindenkmäler der Mainzer Stadtgeschichte provisorisch gelagert.

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Eiserner Turm 1912 (Privatsammlung Meikel Dachs)

Im Zweiten Weltkrieg wurde der Eisenturm wie die gesamte Innenstadt von Mainz stark zerstört. Der Turm brannte vollständig aus, ebenso der Dachstuhl. 1958 wurde der Eisenturm wieder aufgebaut und mit einem neuen Dach, einem schiefergedeckten Walmdach, versehen. Die ihn umgebende Ummauerung wurde Anfang der 1970er Jahre im Zuge der Neugestaltung des benachbarten Wohngebiets Zum Brand niedergelegt. Links und rechts des Eisenturms wurden Rekonstruktionen der Anbauten sowie ein Stück der Stadtmauer angebaut, die das mittelalterliche Ensemble wieder nahezu originalgetreu wiedergeben sollen. Auch die Eckquaderung und die aufgemalten Fugen wurden nach Originalfunden wiederhergestellt.

Der Eisenturm beherbergt heute den deutschlandweit renommierten Kunstverein Eisenturm Mainz. Die Mainzer Künstler nutzen den Eisenturm als Galerie- und Ausstellungsort und vergeben dort den Mainzer Eisenturm-Preis. Auch andere öffentliche Einrichtungen und Vereine beispielsweise der Fotoclub Mainz und der Rotaract Club Mainz haben im Eisenturm ihr Domizil.

(Text & Informationen: Regionalgeschichte Mainz – Wikipedia – Bundesarchiv)
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Eisenturm ( Bild: Regionalgeschichte.de)

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Holzturm Mainz und seine Geschichte

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Holzturm Mainz im Jahr 1880

Im Jahr 1163 wurde die Stadtmauer abgerissen und zerstört auf Wunsch von Kaiser Friedrich I.

Da die Stadt Mainz ein wichtiger politischer und strategischer Verbündeter im Kampf der Staufer gegen die Welfen in Deutschland war, wurde bereits um 1190/1200 die Erlaubnis zum Neuaufbau einer Stadtbefestigung erteilt. In dieser Zeit wurde der Vorgängerbau des Holzturms, der so genannte Neuturm, errichtet.

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Nieder-Olm Kind vom Hund gebissen

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Mainz (ots)Nieder-Olm, Wilhelm-Holzamer-Weg, 29.03.2016, 19:15 Uhr Wie erst gestern bekannt wurde, wurde am Dienstagabend ein 8-jähriges Kind in Nieder-Olm von einem Hund gebissen und oberflächlich am Oberschenkel verletzt.Das Mädchen pflückte gerade auf einer Wiese Blumen, als sich ihr ein Hund näherte und in den Oberschenkel biss. Der Hund wurde von seinem 66-jährigen Halter an der Leine geführt. Der 66-Jährige ging dann mit seinem Hund davon und kümmerte sich nicht um das verletzte Kind. Die Großeltern waren allerdings in der Nähe.

 

Rückfragen bitte an:
Polizeipräsidium Mainz
Pressestelle
Telefon: 06131-65-3080
E-Mail: ppmainz.presse@polizei.rlp.de
Pressemeldungen der Polizei Rheinland-Pfalz

Jockel Fuchs: and now we go ‚enunner‘ in the ‚Druckerwerkstatt

Queen in Mainz 1978BILD: Landesarchiv RLP / Südwestrundfunk

Englisches Wetter beim Besuch von Queen Elizabeth II. im Mai 1978 in Mainz. Es regnete wie aus Kübeln und dauerte den ganzen Tag an.. Typisch „rhoihessisch“ geleitete sie Oberbürgermeister Jockel Fuchs durch die Landeshauptstadt Mainz.

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Münsterplatz und Große Bleiche Mainz 1957

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Münsterplatz Blick in Große Bleiche 1957 – Bild: Möbius – Aufnahme Nr. FD136262

Diese schwarz-weiß Aufnahme aus dem Jahr 1957, zeigt den Blick in die Große Bleiche vom Münsterplatz aus. Sehr gut sichtbar sind die Oberleitungen für die O-Busse (Oberleitungsbus – auch Oberleitungsomnibus).

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