1976: Vom Goldstein zur Zitadelle…

Goldstein 1

(Foto aus der Sammlung Meikel Mainz) Leseprobe aus „Mein GI für einen Sommer

September 1976

Für Ende September waren die Tage noch ausgesprochen warm. Aber mit beginnender  Dämmerung sanken die Temperaturen merklich.

Diesen Abend empfand Marita nicht mehr als lau und schwer; die starken, mitunter erotisierenden Sommergerüche fehlten. Der Herbst mit seinen leiseren Tönen kündigte sich an.

Marita fröstelte. Anthony verstärkte den Griff um ihre Schultern. Mit Sophie, Rick, Heidi und Eric verließen sie das Goldstein und gingen zur Zitadelle hinauf am Rande der Altstadt.

Zwischen den Bäumen fanden die GIs jetzt genau die Einsamkeit und Abgeschiedenheit, die sie brauchten, um in Ruhe einen Joint zu rauchen. Flüsternd und leise lachend tauchten sie ein in die Dunkelheit der Anlage.

„Hier ist es perfekt.“ Rick blieb unter einem Ahorn vor der Mauer stehen, unter der die Ringstraße entlangführte.

„Dass ich jedes Mal mit hierher komme“, stöhnte Heidi. Keines der Mädchen rauchte Dope. Heidi war deswegen ziemlich ungehalten, Sophie und Marita fanden es wenigstens ein bisschen spannend.

„Komm Baby, küss mich!“ Eric riss Heidi an sich und bog sich über sie wie ein Tangotänzer über seine Partnerin.

Allgemeines Gelächter.

Rick bereitete alles vor, der verräterische Duft machte sich breit.

„Wo hast du den Stoff her?“ Anthony ließ Marita los und nahm den als Zigarette getarnten Joint von Rick entgegen, der mit tränenden Augen ein Husten unterdrückte.

„Slade“, presste der hervor.

Marita horchte auf. Sie sah zu Sophie hinüber, die ebenfalls ihren Blick gesucht hatte. An die unangenehme Begegnung erinnerten sie sich beide gut.

Anthony unterdrückte den Hustenreiz, reichte den Glimmstängel an Eric weiter.

Heidi schüttelte den Kopf und zündete sich eine Zigarette an. „Idiotisch“, murmelte sie.

„Also das ist Ansichtssache“, entgegnete Anthony und nahm seinen zweiten Zug.

„Kommt auf die Perspektive an“, ergänzte Rick grinsend.

„Lasst uns was Verrücktes tun.“ Glückselig lächelte Eric.

„Das macht ihr doch schon“, schimpfte Heidi.

Das fanden die GIs lustig. Mit jedem Zug verstärkte sich das Leuchten auf ihren Gesichtern.

„Wir können auf einen Baum klettern und runterspringen“, krächzte Anthony.

„Wir können hier von der Mauer springen“, rief Rick begeistert.

„Klar können wir das“, bestätigte Anthony. „Wir können tun, was wir wollen.“

„Die Welt gehört uns“, pflichtete Eric ihm bei.

In diesem Moment erwachte Marita aus ihrer angenehmen Trägheit. Als hätte jemand ein Codewort ausgesprochen, das ihre Lebensgeister weckte, fühlte sie sich voller Tatendrang. Und sie wollte es den GIs, die immer so großartig daherredeten, zeigen. Stirb mit Erinnerungen, nicht mit Träumen! Wer hatte das gesagt? Marita ließ Anthony los, drehte sich um, ging zum Rand der Mauer – und sprang.

 

„Merke es dir!“ Anthonys Arm um ihre Schulter fühlte sich an wie ein Schraubstock. „Wenn wir so was machen, dann springe ICH zuerst und du auf mich drauf.“ Vor Sorge und Ärger klang seine Stimme dumpf.

Der Taxifahrer sah zum wiederholten Mal in den Rückspiegel. Offensichtlich irritierte ihn das junge Mädchen, das sich ein Taschentuch vor den Mund hielt und der GI, der auf es einredete.

Maritas Mund schmerzte. Sie hatte sich beim Aufprall auf die Zunge gebissen. Obwohl es höllisch wehtat, erfüllte sie eine tiefe Zufriedenheit – sie war zuerst gesprungen und Anthony ohne zu zögern hinterher, mutig wie ein Löwe…

 

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Paula Dreyser

 

 

 

 

 

 

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